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"Für Geld tu ich
alles" sagt Despina - in der Fassung von Eduard Devrient hieß es
noch "gar manches" - da liegt der ganze Unterschied!
Will man, muss man im Regie-Theater alles zeigen oder pflegt man die
feine Kunst der Andeutung für ein Publikum mit Geschmack und für
junge Leute, die sich eben nicht in der love-parade ausziehen?
Nach der wahrlich erhellenden Vorbereitung durch Prof. Dr. Elmar
Budde wussten die Interessierten, dass diese Oper ein geistvoll
konstruierter Karneval-Spaß mit der Erlaubnis des Kaisers war, bei
dem sich Mozart die Paarungen mit den passenden und nicht-passenden
Stimmfächern gewünscht hatte.
Die Unwahrscheinlichkeiten der Verkleidungen und die Frivolität,
über die sich das verlogene 19. Jahrhundert erregte, zählen in
unserer zeit des 'anything goes' sowieso nicht mehr und so freute
sich eine wohl gefüllte 'Komische Oper' auf einen vergnüglichen
Abend.

Aber hat ein
Peter Konwitschny es nötig, eine delikat gespielte Ouvertüre mit
plumpen Anzeigetafeln zu stören, wovon eine dann auch noch ins
Orchester fällt und sensible Musiker und kostbare Instrumente
verletzen kann?
Das Bühnenbild von Jörg Kosdorff, von Henri Rousseau und
seinen bunten Seelendschungeln inspiriert, bot mit den
Licht-Effekten von Franck Evin eine Umgebung, in der eine von
Michaela Mayer-Michnay meist mit bezaubernden
rokoko-ähnlichen Kostümen angetane Sängerschar sich tummeln konnte.
Die Idee, dass alles nur ein Spiel sei, verdeutlichten Puppen, mal
liebkost, mal eingemottet und wieder hervorgeholt.
Kirill Petrenko leitete Orchester und Sänger, er wurde mit
recht gefeiert, weil er die still-poetischen Augeblicke liebevoll
auskostete und auch Finali mit olympiareifen Tempi in der Präzision
hielt.

Fiordiligi: Maria Bengtsson, die Mozart-Lyrische wie sie sein
soll, perfekt in Legato und Koloratur, beseelt und beherzt im Spiel,
dabei zauberhaft anzusehen.
Dorabella: Stella Doufexis, die leichtere Schwester, ohne
Fehl und Tadel in musikalischer Linienführung, gut gelaunt und
präzise in Duett und Ensembles, eine reine Freude für Aug' und Ohr.
Ferrando: Johannes Chum fällt stimmlich aus dem exquisiten
Ensemble heraus und man fragt sich: wer hat diesem hübschen,
begabten, jungen Tenor diesen abscheulichen Knödel in den Hals
trainiert? Und warum muss der arme Kerl sich durch offene Striche
und nie gehörte Arien quälen?
Für ihn gilt: schnellstens die Zungenwurzel locker lassen und
dreimal täglich Fritz Wunderlich hören!
Guglielmo: Michael Nagy ist dagegen eine Freude - mit
gesundem, runden Bariton, humorigem Spiel und der Aussicht auf
Wachstum in weitere Rollen.
Despina: Gertrud Ottenthal präsentierte mit kraftvoller
ausgewachsener Stimme eine lebenskluge Mitstreiterin, die mit
weiblicher Erfahrung und Schläue den zwei hormonell verwirrten
Gänschen den Weg ins Leben weist.
Don Alfonso: Dietrich Henschel - Superstar mit seinem Timbre
zum Dahinschmelzen, perfekter Technik, darstellerischer Intelligenz
und Eleganz, die im seidenen Rokoko-Kostüm ungleich attraktiver zur
Geltung kommt als in der Turnerhose des Giovanni.
Zuzuhören und zuzuschauen vermittelte wahre Freude.
Aber haben denn die 'Regie-Theater-Genies' Verträge mit der
Trikotagen-Industrie, dass männliche Hauptdarsteller, wo und warum
auch immer, in Unterwäsche auftreten?
Auch den Meistern am Hammerflügel sei gedankt.
Friedemann Seitzer und - bei Figaro besonders einfallsreich -
Lutz Kohl.

Der Komischen
Oper Berlin ist mit den Mozart-Tagen ein Fest gelungen, das
hoffentlich eine Fortsetzung finden wird, denn jeder im Publikum
bestätigte:
die Oper lebt!
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