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Komische Oper Berlin
   
Repertoirevorstellung
 - Mozart -  'Così fan tutte' - 16.07.06


"Mädchen, so treibt ihrs mit allen"
 
     
 

 

 


"Für Geld tu ich alles" sagt Despina - in der Fassung von Eduard Devrient hieß es noch "gar manches" - da liegt der ganze Unterschied!
Will man, muss man im Regie-Theater alles zeigen oder pflegt man die feine Kunst der Andeutung für ein Publikum mit Geschmack und für junge Leute, die sich eben nicht in der love-parade ausziehen?
Nach der wahrlich erhellenden Vorbereitung durch Prof. Dr. Elmar Budde wussten die Interessierten, dass diese Oper ein geistvoll konstruierter Karneval-Spaß mit der Erlaubnis des Kaisers war, bei dem sich Mozart die Paarungen mit den passenden und nicht-passenden Stimmfächern gewünscht hatte.
Die Unwahrscheinlichkeiten der Verkleidungen und die Frivolität, über die sich das verlogene 19. Jahrhundert erregte, zählen in unserer zeit des 'anything goes' sowieso nicht mehr und so freute sich eine wohl gefüllte 'Komische Oper' auf einen vergnüglichen Abend.

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Aber hat ein Peter Konwitschny es nötig, eine delikat gespielte Ouvertüre mit plumpen Anzeigetafeln zu stören, wovon eine dann auch noch ins Orchester fällt und sensible Musiker und kostbare Instrumente verletzen kann?
Das Bühnenbild von Jörg Kosdorff, von Henri Rousseau und seinen bunten Seelendschungeln inspiriert, bot mit den Licht-Effekten von Franck Evin eine Umgebung, in der eine von Michaela Mayer-Michnay meist mit bezaubernden rokoko-ähnlichen Kostümen angetane Sängerschar sich tummeln konnte. Die Idee, dass alles nur ein Spiel sei, verdeutlichten Puppen, mal liebkost, mal eingemottet und wieder hervorgeholt.

Kirill Petrenko leitete Orchester und Sänger, er wurde mit recht gefeiert, weil er die still-poetischen Augeblicke liebevoll auskostete und auch Finali mit olympiareifen Tempi in der Präzision hielt.

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Fiordiligi: Maria Bengtsson, die Mozart-Lyrische wie sie sein soll, perfekt in Legato und Koloratur, beseelt und beherzt im Spiel, dabei zauberhaft anzusehen.

Dorabella: Stella Doufexis, die leichtere Schwester, ohne Fehl und Tadel in musikalischer Linienführung, gut gelaunt und präzise in Duett und Ensembles, eine reine Freude für Aug' und Ohr.
Ferrando: Johannes Chum fällt stimmlich aus dem exquisiten Ensemble heraus und man fragt sich: wer hat diesem hübschen, begabten, jungen Tenor diesen abscheulichen Knödel in den Hals trainiert? Und warum muss der arme Kerl sich durch offene Striche und nie gehörte Arien quälen?
Für ihn gilt: schnellstens die Zungenwurzel locker lassen und dreimal täglich Fritz Wunderlich hören!

Guglielmo: Michael Nagy ist dagegen eine Freude - mit gesundem, runden Bariton, humorigem Spiel und der Aussicht auf Wachstum in weitere Rollen.

Despina: Gertrud Ottenthal präsentierte mit kraftvoller ausgewachsener Stimme eine lebenskluge Mitstreiterin, die mit weiblicher Erfahrung und Schläue den zwei hormonell verwirrten Gänschen den Weg ins Leben weist.

Don Alfonso: Dietrich Henschel - Superstar mit seinem Timbre zum Dahinschmelzen, perfekter Technik, darstellerischer Intelligenz und Eleganz, die im seidenen Rokoko-Kostüm ungleich attraktiver zur Geltung kommt als in der Turnerhose des Giovanni.
Zuzuhören und zuzuschauen vermittelte wahre Freude.
Aber haben denn die 'Regie-Theater-Genies' Verträge mit der Trikotagen-Industrie, dass männliche Hauptdarsteller, wo und warum auch immer, in Unterwäsche auftreten?

Auch den Meistern am Hammerflügel sei gedankt.
Friedemann Seitzer und - bei Figaro besonders einfallsreich - Lutz Kohl.

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Der Komischen Oper Berlin ist mit den Mozart-Tagen ein Fest gelungen, das hoffentlich eine Fortsetzung finden wird, denn jeder im Publikum bestätigte:
die Oper lebt!

 

 

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Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem.
Neben Sachaussagen enthält diese private Homepage auch Überspitztes und Satire.
Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare herauszufordern.
          Marie-Louise Gilles

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