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Ankündigung Theater Bremen
Sonntag
04.12.2011 / 17.00 Uhr
Theater am
Goetheplatz
Tannhäuser
Nach
der Erfahrung von Sinnlichkeit
und Freiheit, die er zusammen
mit der lebenshungrigen Venus
genossen hat, ist es dem Sänger
Tannhäuser unmöglich, sich der
ihn liebenden Elisabeth und
ihrer kulturvollen Umgebung
gegenüber konform zu verhalten.
Als er in einem
Gesangswettbewerb die Liaison zu
Venus als das ultimative
Liebeserlebnis schildert, stößt
ihn die etablierte Gesellschaft
aus. Durch Vermittlung
Elisabeths wird ihm eine
Pilgerfahrt zum Papst auferlegt.
Würde ihm dort verziehen, stünde
seiner Rückkehr ins
Establishment nichts mehr im
Wege. Doch Tannhäuser und
Elisabeth begegnen sich in
diesem Leben nicht wieder.
Inhalt
Nach der
Erfahrung von Sinnlichkeit und Freiheit,
die er zusammen mit der lebenshungrigen
Venus genossen hat, ist es dem Sänger
Tannhäuser unmöglich, sich der ihn
liebenden Elisabeth und ihrer
kulturvollen Umgebung gegenüber konform
zu verhalten. Als er in einem
Gesangswettbewerb die Liaison zu Venus
als das ultimative Liebeserlebnis
schildert, stößt ihn die etablierte
Gesellschaft aus. Durch Vermittlung
Elisabeths wird ihm eine Pilgerfahrt zum
Papst auferlegt. Würde ihm dort
verziehen, stünde seiner Rückkehr ins
Establishment nichts mehr im Wege. Doch
Tannhäuser und Elisabeth begegnen sich
in diesem Leben nicht wieder.
Nach der
Erfahrung von Sinnlichkeit und Freiheit,
die er zusammen mit der lebenshungrigen
Venus genossen hat, ist es dem Sänger
Tannhäuser unmöglich, sich der ihn
liebenden Elisabeth und ihrer
kulturvollen Umgebung gegenüber konform
zu verhalten. Als er in einem
Gesangswettbewerb die Liaison zu Venus
als das ultimative Liebeserlebnis
schildert, stößt ihn die etablierte
Gesellschaft aus. Durch Vermittlung
Elisabeths wird ihm eine Pilgerfahrt zum
Papst auferlegt. Würde ihm dort
verziehen,...
Pressestimmen
„[…] Markus Poschner
und die Bremer
Philharmoniker
musizierten ihren
Wagner in opulentem
„Breitwandklang“,
mächtig
auftrumpfend, in den
verhalteneren
Passagen des dritten
Akts aber auch
detailgenau und mit
großer Ruhe. […]
Julia Ritugliano
machte als
Venus/Gangsterbraut
einen starken
Eindruck, gestützt
durch ihren
kraftvoll-stählernen
Mezzo. Der Landgraf
des Bassisten
Michael Dries
zeichnete sich durch
noble, profunde
Klangfülle aus. Die
beste Leistung
brachte Martin
Kronthaler. Als
Wolfram zeigte er
eine mustergültige
Interpretation. Sein
Bariton klingt weich
und angenehm. Jubel
für Sänger und
Dirigent. […]
Wolfgang Denker, Nordwest-Zeitung
[…]
„[…] Zu Gute kommt
sein […] besonnenes
Dirigat den intimen
Momenten, etwa den
Liedern der
Wartburg-Sänger und
ihren sinnlichen
Exkursen und
Versuchen über das
Wesen der
Liebe.Bemerkenswert
ist das
Sängerensemble des
Bremer Theaters.
Allen voran Patricia
Andress als
Elisabeth. Einen
derart auf
Legatolinien
konzentrierten
Sopran, bei dem der
Text zur Musik wird,
hört man selten –
ihre Elisabeth legt
sie an wie ein
großes Strauss-Lied:
mit endlosem Atem
und Abgründigkeit in
der Phrasierung. Der
Tannhäuser ist einer
Möder-Tenor-Partie,
und Heiko Börner ist
sich dessen bewusst.
Er schont sich im
ersten und zweiten
Akt, um am Ende eine
ungemein intime und
aus dem Herzen
erzählte
Romerzählung
hinzulegen, in der
alle menschliche
Verzweiflung
offenbar wird. […]
Dem Bremer Theater
ist mit dieser
Premiere ein
Opernabend gelungen,
der es versteht, die
Rolle des
Regionaltheaters zu
behaupten: Eine
selbstironische,
erbarmungslose,
revolutionäre
Befragung des
Opern-Mythos’ durch
unsere Wirklichkeit.
Wenn ein Opernabend
das schafft, darf er
als gelungen gelten.
Kratzer gelingt es
in all seiner
Inkonsequenz, so
viele Fragen
aufzuwerfen, wie ein
Bremer Opernabend es
schon lange nicht
mehr getan hat.“
Axel Brüggemann,
Leser-Kurier
(leser-kurier.de)
[…]
[…] Der Kritiker
meint: Ein stimmiges
Konzept, das die
Musik und Wagners
Intention nicht
vergewaltigt,
sondern mit
erfrischender
Selbstverständlichkeit
eine mögliche Lesart
anbietet. Diese
entwickelt Kratzer
klar, präzise und
konsequent sowie mit
schauspiel-typischer
Eloquenz, formt
zudem fast alle
Figuren zu
psychologisch
nachvollziehbaren
Charakteren. Eine
brillante
Inszenierung. […]
Jens Fischer, taz
[…]
„[…] Ein herrliches
Wagner-Orchester,
das im Forte
kultiviert klang und
mit feinsten
Klangfarben gefiel.
Generalmusikdirektor
Markus Poscher nahm
sich immer wieder
die Muße, die
ruhigen Stellen
voller gedehnter
Innigkeit
auszuspielen, sodass
die Szene mit
Elisabeths Gebet und
Wolframs „Lied an
den Abendstern“ zum
interpretatorischen
Höhepunkt geriet.
Markus Poschner trug
dabei insbesondere
Patricia Andress
(Elisabeth) auf
einem filigranen
Klangteppich, den
die Sopranistin mit
großem Atem und
einem klangvollen
Piano ausfüllte. […]
Gleichwohl war ihr
Martin Kronthaler
stilistisch
überlegen, da er es
als Wolfram
verstand, mit
präziser Diktion
Wort, Ton und Klang
zu einem
gesanglichen Ideal
zu verschmelzen. […]
Kraftvolle „Erbarm
dich mein“-Rufe und
überhaupt eine
hervorragende
Präsenz in der hohen
Lage sowie eine
ausdrucksstarke
„Rom-Erzählung“
kennzeichnen Heiko
Börners Tannhäuser.
[…] Als Venus mit
warmer, voller
Stimme nahezu ohne
Einschränkungen
präsent: Julia
Rutigliano. […] Luis
Olivares Sandoval
sorgte als Walther
von der Vogelweide
für tenoralen
Schmelz, Loren Lang
war als
widerspenstiger
Biterolf perfekt
besetzt,
Opernstudio-Mitglied
Alexandra Scherrmann
gefiel als frisch
singender Hirt,
Christian-Andreas
Engelhardt
(Heinrich) und
(Christoph Heinrich)
komplettierten das
gut eingespielte
Ensemble.
Markus Wilks,
Weser-Kurier
[…]
„[…] Brillant:
Alexandra Scherrmann.
[…] Was jetzt
vielleicht etwas
banal klingt, wirkt
auf der Bühne
reichlich
spektakulär, zudem
logisch und völlig
konsequent. Das
Schönste aber ist
Kratzers Fähigkeit,
alles konzeptionell
Pompöse immer wieder
mit Witz und
Leichtigkeit
aufzulockern. […]
Michael Dries singt
den Bankchef
beziehungsweise
Landgraf von
Thüringen prächtig,
Patricia Andress
verleiht Elisabeth
viele schöne vokale
Facetten, Julia
Rutigliano gibt die
Venus adäquat
brachial,
überzeugend auch
Christian-Andreas
Engelhardt als
Heinrich und Loren
Lang als Biterolf.
[…] Ansonsten bietet
Bremen einen
Tannhäuser, der die
Bayreuther
Produktion vom
Sommer um Längen
schlägt.“
Jörn Florian Fuchs,
Deutschlandfunk
[…]
„[…] Martin
Kronthaler, zu Recht
für seinen vokalen
Vortrag zwischen
Belcanto und
romantischem
Lyrismus gefeiert,
gibt in der Rolle
des Wolfram von
Eschenbach die erste
Steilvorlage in
Richtung Tannhäuser.
[…]“
Rainer Beßling,
Kreiszeitung
„[…] Markus Poschner
und die Bremer
Philharmoniker
musizierten ihren
Wagner in opulentem
„Breitwandklang“,
mächtig
auftrumpfend, in den
verhalteneren
Passagen des dritten
Akts aber auch
detailgenau und mit
großer Ruhe. […]
Julia Ritugliano
machte als
Venus/Gangsterbraut
einen starken
Eindruck, gestützt
durch ihren
kraftvoll-stählernen
Mezzo. Der Landgraf
des Bassisten
Michael Dries
zeichnete sich durch
noble, profunde
Klangfülle aus. Die
beste Leistung
brachte Martin
Kronthaler. Als...
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'Tannhäuser'
oder ein Banküberfall mit schlimmen Folgen |
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Wenn eine Theaterleitung - wie die derzeitige in
Bremen - Richard Wagner so sehr verabscheut, dass sie einen Tobias Kratzer und
seine Truppe wirken lässt, um zu seiner Komposition einen kümmerlichen
Vorabend-Krimi im Milieu einer 68er Kommune auf die Bühne zu bringen, handelt
wie ein Unternehmen, dass eine Packung Waschpulver verkauft, aber beim
Öffnen der Packung stellt der Kunde fest, dass Streusand der Inhalt ist, so
informiert der zunächst einmal den Verbraucherschutz.
Beim Theater wäre der/die
Intendantin/Intendant der/die PublikumsschützerIn. Aber ungestraft zerstören sie -
unter Nutzung von Steuergeldern und sonstigen Subventionen wie auch
Sponsorenzuwendungen - die deutsche Theaterkultur, um die uns bis vor etwa
dreißig Jahren die Welt beneidete. Jetzt aber beobachtet das
theaterinteressierte Ausland wie wir mit dem uns eigenen Selbsthass als
eingeschüchterte Hammelherde unsere Klassiker verfälschen, verjuxen und
entwerten lassen.
Die gehorsame Herde meint ja, 'mit der Zeit' gehen zu müssen, beklatscht jeden
Blödsinn, weil er modisch ist und verhält sich so wie die Mitläufer, die träge
zulassen, dass sich eine Diktatur aufbaut.
Bei Premieren gibt es zwar einen
Proteststurm mit Buh-Geschrei, den die 'Künstler' vom Regie-Team feixend
genießen, denn sie haben es 'den verblödeten alten Kaffeetanten und den
verkalkten alten Säcken im Publikum' mal wieder so richtig gezeigt!'
Die von 26 Mitgliedern des Richard-Wagner-Verbandes erlebte und erlittene
Aufführung war eine Repertoirevorstellung, die mit lauwarmem Applaus für Sänger
und Orchester quittiert wurde.
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Nun zum Geschehen:
Richard Wagners Tannhäuser-Ouvertüre, in der das Choralthema 'Andante maestoso'
im Dreivierteltakt in Antithese zur tänzelnden Venusmusik im Zweihalbetakt
verarbeitet ist, soll das Publikum in die Problematik des Werkes, nämlich die
Unvereinbarkeit von himmlischer und irdischer Liebe in der christlichen
Tradition, einstimmen - und das in E-Dur.
Statt sich nun als Publikum innerlich auf dem Kampf der Hormone gegen die
Sittenstrenge vorbereiten zu können, geht der Vorhang für eine Schalterhalle
einer Bank auf, in der eine Putzfrau werkelt - die Neuenfels'sche 'Aida'-Putzfrau lässt
grüßen!
Überall die nach oben zeigende Börsenkurve des Logos und Sprüche: 'Wir
investieren in ... ' - wer weiß, was alles. Der Filialleiter überprüft
pingelig die Arbeit der Reinigungskraft und ist ungehalten, dass sie den
Dreivierteltakt zum Walzertanzen mit dem Wischmob missbraucht.
Für modische Regisseure, (wir erinnern uns noch mit Grausen an den
'Holländer' in Essen (Regie Barry K.) wo die norwegischen Mädchen als
schlampiges Putzgeschwader auftauchten), kommen die blöden Weiber schon mit dem
Putz-Gen auf die Welt oder sie werden Nutten oder Irre.
Erste Bank-Kunden erscheinen, holen Geld, bringen Geld, am Fenster draußen
fotografiert ein rosa Wesen mit Insektenflügeln - vielleicht die Resteverwertung
der Fliege aus 'Orpheus in der Unterwelt', dann poltern dazu ein Clown und ein
Pirat herein - 'Überfall!', her mit dem Zaster, Pistolen, Schüsse alles auf dem
Boden, schließlich die Polizei, schwarz gekleidet und mit Helm und Schild.
Die drei Räuber: Fliege, Clown und Pirat sind
natürlich mit der Beute entwischt.
Vorhang zu.
Dieser coole Krimi-Event hätte eine andere Musik verdient als das krass
peinliche Gedröhne von diesem Richard Wagner, das zu der Szene überhaupt nicht
passt - denkt der pop-gewöhnte Jugendliche, an
den sich die Inszenierung scheinbar wendet.
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Erster Aufzug.
Da fühlen wir uns richtig heimisch! Eine Bude mit Sperrmüll-Mobiliar und einer
Blech-Badewanne, Che Guevara an der Wand.
Die drei Bankräuber ziehen ihre Verkleidungen aus, die Fliege entpuppt sich als
hübsche 'Uschi Obermeier', der Clown als eine Art 'Herbert Grönemeier' und der Pirat
ist das Animier-Tierchen (man kennt so was aus Zuchtstationen) statt
der Nymphen tanzende
Menge!
Man juxt mit dem erbeuteten Zaster herum, nur
'Tannhäuser-Herbert' ist schlecht drauf. Und dann singen die mit ihren komischen
Kunststimmen - na ja, wer so was mag! - 'Venus-Uschi' - Julia Rutigliano - für
Klassik-Fans: jugendlich frisch, mit angenehmem Timbre, gut geschultem
Registerausgleich und auch die Spitzentöne bleiben rund und leuchtend.
Tannhäuser-'Herbert' - Heiko Börner - müht sich fleißig, überlebt auch alle
Schwierigkeiten dieser mörderisch-langen Partie, Hochachtung ist ihm sicher,
aber mir fehlt der metallische Kern einer Heldenstimme.
Der Kommunenkrimi nimmt seinen Lauf.
'Venus-Uschi' bemüht sich im rotkarierten Holzfällerhemd und schwarzer Unterwäsche
den 'Tannhäuser-Herbert' zum Bleiben zu bewegen, steigt sogar für ihn in die mit
Teelichtern geschmückte Badewanne, aber es nutzt
nichts, er will weg, sie schimpft die
Wagner-Texte herunter
Zieh hin! Zieh hin!
Hin zu den kalten Menschen
flieh,
vor deren blödem, trübem Wahn
der Freude Götter wir entflohn
tief in der Erde wärmenden Schoss.
Zieh hin, Betörter! Suche dein Heil,
suche dein Heil - und find es nie!
steigt mit nasser Unterhose in einen Rock -
(das arme Mädel holt sich eine Blasenentzündung) - der Animierboy zieht sich
ganz aus, was ja in einer modischen Inszenierung Pflicht ist, Polizei erscheint,
'Tannhäuser-Herbert' ist schon zur Tür hinaus, 'Venus-Uschi' springt aus dem
Fenster, der nackerte Boy wird nass wie er ist, festgenommen.
Ende der zweiten Szene, Vorhand zu.
Wer ökonomisch denkt, Augen und Ohren trennt, wird großzügig bedient:
zwei Stücke, die nichts miteinander zu tun haben, werden gleichzeitig geboten.
Szene III
Eine Vertreterin der Arbeiterklasse tritt auf. Alexandra Scherrmann liest in der
Bild-Zeitung über den Banküberfall und singt sehr hübsch das Lied des jungen
Hirten von Richard Wagner.
Vorhang auf
Eine schwarze Mauer und ein Bühneneingang, aufgeklebte Fahndungsbilder der
Bankräuber. Die junge Person bezieht ihren Posten als Pförtnerin.
Ein Trupp arbeitsloser Statisten singt was von einer Pilgerreise - ist ja ganz
aktuell, wenn Hape Kerkeling sogar darüber schreibt.
Die Statisten drängeln sich durch das Pförtnerhäuschen, da werden wie wohl für
eine Show gecastet.
Der 'Tannhäuser-Herbert' ist immer noch schlecht drauf, singt was von Sündenlast,
ärgert sich wohl aber mehr, dass er von der erbeuteten Kohle nichts mitbekommen
hat.
Voll Mitgefühl mit diesem underdog verbrennt die Pförtnerin das Fahndungsphoto
im Mülleimer -
'Achtung Herr Feuerwehrmann - offene Flamme auf der Bühne ist heikel!'
Der beneidenswerte Dirigent Markus Poschner, der seine Augen in die Partitur
versenken darf, seine vorzüglichen Bremer Philharmoniker zu differenziertem
Musizieren anleitet, hat mit dem Krimi auf der Bühne nichts zu tun und freut
sich wie klangvoll seine Waldhörner die Szene IV einleiten.
Es erscheinen sechs Herren im Bänkerzwirn, deren Chef ein stattlicher blonder
Typ namens Herrmann ist, eine gelungene Kreuzung aus Reichsjägermeister und
Vorstandsvorsitzendem einer Deutschen Bank.
Sie erkennen den 'Tannhäuser-Herbert', der vor seinem sozialen Absturz mal zum
Establishment gehörte.
Besonders konziliant gibt sich ein Adeliger, 'Wolfram von ...', aber kann
man ihm trauen? Da war doch eben was mit einem Adeligen, Karl-Theodor von und zu
...
Immerhin singt der Bariton Martin Kronthaler sehr angenehm, auch für jemand, der
mit dem 'Opern-Geschrei' nichts am Hut hat und lieber Pop-Musik hört.
Schließlich kommt heraus, dass der 'Tannhäuser-Herbert' mal was mit einer Tussi
aus diesen Kreisen hatte.
Elisabeth heißt sie, hat ihn wohl gern gehört wie die Teenies heute kreischen,
wenn Justin Bieber auftritt
an deinem Sang voll Wonn und Leid
gebannt die tugendreine Maid.
aber
wir sehen ihre Wang erblassen
für immer unseren Kreis sie mied
Da kann man schon richtig sauer werden, wenn der Typ einfach abhaut und nicht
mal 'ne SMS schickt.
Die Sechser-Boy-Group belabert 'Tannhäuser-Herbert' doch wieder zu seiner
'Lissi-Tussi' mitzukommen, er entschließt sich und dann singen die Sieben einen richtig
fetzigen Satz
es tön in frohbelebten Klängen
das Lied aus jeder Brust hervor
Besser hätten es die Beatles auch nicht gekonnt
- ehrlich - dann fetzt das Orchester und die
Hörner in F-Dur, alles auf der Bühne drängelt sich durch die Bühnentür.
Ende des ersten Aufzugs.
Vorhang
Pause
Ratlosigkeit
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Zweiter Aufzug
Vorhang auf
Eine Kantine mit blauen Korbsesseln, Spinde mit Schließfächern,
Getränke-Automat.
G-Dur, Allegro, schnelle Triolen, eine blonde Frau, die Frisur wie damals
Winifred, die so für Hitler schwärmte, königsblaues Abendkleid mit Schlitz am
linken Bein und schrägem Einschnitt am Dekolleté - es ist die 'Lissi-Tussi' - die hat was vor!
Patricia Andress singt mit hell jubelndem Sopran, feinster Pianokultur, den Text
opfert sie jedoch den ganzen Abend dem Wohlklang - schade, das muss nicht sein,
denn Richard Wagner hat sich so viel Mühe gegeben, schöne, poetische Worte zu
schreiben.
Die 'Hallenarie', das Glanzstück aller
jugendlich-dramatischen Soprane mit
wohlgesetztem hohen H gelingt bestens! 'Tannhäuser-Herbert' und der
'Wolfram von
...' schleichen durch die Sicherheitstür herein, der Penner stopft seine Plünnen
in einen Müllkorb und der Anblick seine
'Lissi-Tussi' haut ihn von den Socken.
Natürlich möchte sie wissen, wo er sich rumgetrieben hat, er druckst rum:
Dichtes Vergessen
hat zwischen heut und gestern sich gesenkt.
Der blonde Boss kündigt den Beginn des Song-Contest an und das Publikum drängelt
sich in die Kantine, wohl wohl schon öfter so 'ne Show war, weil der Herr
Landgraf sagt
Gar viel und schön ward hier in dieser Halle
von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen;
und das Thema heißt
könnt ihr der Liebe Wesen mir ergründen?
Die Jury, zwei Männer und die 'Lissi-Tussi' nehmen in der Seitenloge Platz,
'Wolfram von ...' ist die Startnummer eins.
Vorhang runter
Er singt wohl fades Zeug daher, denn die Jury langweilt sich wie 'Dieter B'.
Vorhang auf.
'Tannhäuser-Herbert' hat es nicht gefallen.
Vorhang zu
Startnummer zwei
Walter von der Vogelweide
ein zartes Kerlchen - Randall Bills - wäre eine Oberstimme für eine à capella
Gruppe, aber hier:
No chance! Denn 'Dieter B'. gähnt.
Vorhang auf,
'Tannhäuser-Herbert' widerspricht heftig, das Publikum drängt sich vor dem Monitor.
Ein Skandal liegt in der Luft, denn der 'Tannhäuser-Herbert' behauptet
was sich, aus gleichem Stoff erzeuget,
in weicher Formung an euch schmiegt, -
dem ziemt Genuss in freud'gem Triebe,
und im Genuss nur kenn' ich Liebe!
Das ist zu viel!
Es gibt Keilerei, die Bänker fallen über 'Tannhäuser-Herbert' her, der seine
Clown-Klamotten aus dem Müllkorb holt, wild in die Luft ballert bis
'Lissi-Tussi' ihr
Leben gegen das seine bietet.
Die Randale lässt nach und 'Tannhäuser-Herbert' wird auf Pilgerreise nach Rom
geschickt.
So wie wir unseren Bayerischen Benedikt kennen wird er wohl kaum auf Verständnis
hoffen können.
Vorhang zu!
Pause
Erneut Ratlosigkeit, Wut, da hilft nur ein
großer Schluck.
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Dritter Aufzug
Ein - U-Bahnhof
Auf zwei Filmleinwänden ziehen Wolken vorbei. Werktätige gehen zur Arbeit.
Sicherheitskräfte kontrollieren, auf der Bank sitzt 'Lissi-Tussi' im hellgrauen
Nerzmantel mit zerrupfter Frisur.
Der Zug mit Pilgern kommt unterirdisch an, die Leute singen
Halleluja
steigen die Treppe rauf und
nun lass' ich ruhn den Wanderstab,
Ohne Inszenierungsfirlefanz sing Patricia Andress ihr Gebet an die Jungfrau Maria, mit feinen Kopftönen und delikat begleitet von den Philharmonikern.
Dann stopft sie ihren schönen Nerzmantel in eine Mülltonne und verschwindet.
Auch Martin Kronthaler darf ohne Störungen mit Noblesse, schlankem Ton,
gekonnter Phrasierung und auch textverständlich den 'holden Abendstern'
besingen, während ein dankbares Publikum auch dem samtenen Nachspiel der Bremer
Cellisten lauscht.
Ein Penner erscheint - das kann nur 'Tannhäuser-Herbert' sein.
Tapfer berichtet er von seiner enttäuschenden
Romreise, Religion ist eben auch keine Lösung!
Mit grellblonden Perücken erscheinen zwei nuttig gekleidete Frauen, 'Uschi-Venus'
ist dabei und singt sehr schön die letzten, schweren Phrasen dieser von Richard
Wagner so sperrig komponierten Partie.
Volk drängt heran, 'Polizei' erscheint, Randale, Keilerei, Schüsse - die Frauen
sind getroffen, die Perücken verrutschen - da ist 'Lissi-Tussi' - Blut, Tod und
Chaos.
Anstelle der jüngeren Pilger, die mit dem Wunder des ergrünten Stabes Hoffnung
in die Welt tragen sollen, ergießt sich ein Haufen albern winkender grellbunter
Clowns auf die Bühne, der letzte Gag einer vierstündigen Unverschämtheit.
Wut, Ratlosigkeit, Achtungsapplaus für Sänger, Dirigent und Orchester -
und dann nichts wie raus.
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Dabei habe
ich in diesem Bremer Theater am Goetheplatz drei
äußerst wichtige, auf- und anregende Jahre
erlebt, denn der Intendant war Kurt Hübner.
Unvergesslich die SchauspielerIinnen: Edith
Clever, Jutta Lampe, Bruno Ganz, Michael König -
eine Schönheit, man war süchtig nach seinem
'Peer Gynt' - der heute noch populäre Rolf
Becker und viele andere ausgeprägte
Persönlichkeiten spielten in der Regie von
Peter Stein, Zadek, Minks,
GMD war Hans Wallat, häufiger Gastdirigent
Rudolf Kempe und mich befiel in diesem Hause der
Richard-Wagner-Bazillus mit meiner ersten
Brangäne, meiner ersten Ortrud.
Und jetzt das!
Ich habe erlebt, dass Hübner, ein Chef, wie er
sein soll, bei einer Probe einen Gastregisseur
von Balkon aus ausdonnerte:
'Und sie wagen es, mir in
meinem Hause eine solche Scheiße anzubieten!'
Möge der heilige Zorn ihn bald auferwecken!
Am 30. Dezember 1852 schrieb Richard Wagner an
Ferdinand Heine in Dresden:
'G a r n i c h t s
liegt mir daran, ob man meine Sachen g i e b t:
mir liegt einzig daran, daß man sie s o
giebt, wie ich's mir gedacht habe; wer das nicht
will und kann, der soll's bleiben lassen. Das
ist meine ganze Meinung!'
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Um 'Missverständnisse' zu vermeiden:
Ich verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik
um der Kritik willen, sondern als Hinweis auf - nach meiner Auffassung -
Geglücktes oder Misslungenes.
Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes und Satire.
Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5, Grundgesetz, in Anspruch.
ML Gilles
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