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 Staatsoper Hannover
   
 Repertoire-Vorstellung - Giuseppe Verdi -'Otello' -
 28.10.2006

  
"Du mein herrlicher Held!"
 
     
 

 

 

 

"Essultate" - die Hannoveraner können schon fast wieder in ihr Opernhaus gehen, ohne sich zu ekeln. Nun ja, Otello versucht, einen 'Quicky' und Jago 'verdünnt' das Weihwasser, aber die Inszenierung von Nicolas Brieger zeigt das Werk und die Konflikte der Personen durch sinnvolle Aktionen und räumliche Spannung auf dem geistigen Hintergrund christlicher Ikonographie.

Im architektonischen Bühnenbild von Hans-Dieter Schaal, repräsentativ und kalt wie ein Speer-Bau, in den Kostümen von Jorge Jara, angelehnt an Mode und Uniformen des 19. Jahrhunderts, verschärft durch ein paar trash-Figuren unter den Korsage- und Tangadamen beim Besäufnis an der Hafenkneipe, erleben die Zuschauer die Lebens und Leidenswege von Menschen, die an ihren Charakteranlagen und der kirchlichen Indoktrination von Sünde und Weltgericht zerbrechen.

Shakespeares siegreichen Helden, den zum Christentum übergetretenen Mauren überantworteten Boito und Verdi einem Heldentenor - und einen solchen zu finden, der diese Partie - (wie Tannhäuser oder Tristan) - lebend übersteht, muss ein Theater lange suchen oder Unzulänglichkeiten in Kauf nehmen.
Janez Lotric, erfahrener Recke in seinem Fach, stämmig und kurzgedrungen agiert unerschrocken, singt aber reichlich nasal.

Nikola Mijailovic, ein Jago mit kernigem, facettenreichen Bariton ist ein solch attraktives, charmantes Mannsbild, dass man wie so oft die schematische Stimmendramaturgie verwünscht: hohe Stimme = gut, liebend, erfolgreich - mittlere Stimme = böse, intrigant, erfolglos.
Irgendwann wird er wohl einmal strahlen dürfen!

Die Königin des schönen Gesangs ist Brigitte Hahn, die Verdis Kantilenen mit wohltuend weichem, in allen Lagen ausgeglichenem Sopran beseelt erfüllt. Als junges verliebtes Mädchen, als verzweifelt um ihre Ehre kämpfende Frau und als vor Todesangst irre gewordene Kreatur ist sie glaubhaft und anrührendes Opfer patriarchaler Polarisation der Frau in Heilige und Hure.

Das übrige neue Ensemble verspricht Gutes für hoffentlich spannendes, aber nicht publikumsfeindliches Theater.

Großen Anteil am Erfolg des Abends hatte das Staatsorchester, wach und sensibel geführt vom erfahrenen Wolfgang Bosic, ein Kapellmeister, den wie man hört, die Musiker mögen - ein seltener Fall!

Also hingehen - auch mehrmals - denn Verdis Meisterwerk kann man in all seinem musikalischen Reichtum in einer sinnvollen Inszenesetzung wie an der Staatsoper Hannover beim ersten Mal gar nicht erfassen.

 

 

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Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen,
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Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare herauszufordern.
          Marie-Louise Gilles

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