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"Essultate" - die
Hannoveraner können schon fast wieder in ihr Opernhaus gehen, ohne
sich zu ekeln. Nun ja, Otello versucht, einen 'Quicky' und Jago
'verdünnt' das Weihwasser, aber die Inszenierung von Nicolas Brieger
zeigt das Werk und die Konflikte der Personen durch sinnvolle
Aktionen und räumliche Spannung auf dem geistigen Hintergrund
christlicher Ikonographie.
Im architektonischen Bühnenbild von Hans-Dieter Schaal,
repräsentativ und kalt wie ein Speer-Bau, in den Kostümen von Jorge
Jara, angelehnt an Mode und Uniformen des 19. Jahrhunderts,
verschärft durch ein paar trash-Figuren unter den Korsage- und
Tangadamen beim Besäufnis an der Hafenkneipe, erleben die Zuschauer
die Lebens und Leidenswege von Menschen, die an ihren
Charakteranlagen und der kirchlichen Indoktrination von Sünde und
Weltgericht zerbrechen.
Shakespeares siegreichen Helden, den zum Christentum übergetretenen
Mauren überantworteten Boito und Verdi einem Heldentenor - und einen
solchen zu finden, der diese Partie - (wie Tannhäuser oder Tristan)
- lebend übersteht, muss ein Theater lange suchen oder
Unzulänglichkeiten in Kauf nehmen.
Janez Lotric, erfahrener Recke in seinem Fach, stämmig und
kurzgedrungen agiert unerschrocken, singt aber reichlich nasal.
Nikola Mijailovic, ein Jago mit kernigem, facettenreichen Bariton
ist ein solch attraktives, charmantes Mannsbild, dass man wie so oft
die schematische Stimmendramaturgie verwünscht: hohe Stimme = gut,
liebend, erfolgreich - mittlere Stimme = böse, intrigant, erfolglos.
Irgendwann wird er wohl einmal strahlen dürfen!
Die Königin des schönen Gesangs ist Brigitte Hahn, die Verdis
Kantilenen mit wohltuend weichem, in allen Lagen ausgeglichenem
Sopran beseelt erfüllt. Als junges verliebtes Mädchen, als
verzweifelt um ihre Ehre kämpfende Frau und als vor Todesangst irre
gewordene Kreatur ist sie glaubhaft und anrührendes Opfer
patriarchaler Polarisation der Frau in Heilige und Hure.
Das übrige neue Ensemble verspricht Gutes für hoffentlich
spannendes, aber nicht publikumsfeindliches Theater.
Großen Anteil am Erfolg des Abends hatte das Staatsorchester, wach
und sensibel geführt vom erfahrenen Wolfgang Bosic, ein
Kapellmeister, den wie man hört, die Musiker mögen - ein seltener
Fall!
Also hingehen - auch mehrmals - denn Verdis Meisterwerk kann man in
all seinem musikalischen Reichtum in einer sinnvollen Inszenesetzung
wie an der Staatsoper Hannover beim ersten Mal gar nicht erfassen.
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