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Bericht

Komische Oper Berlin
   
Repertoirevorstellung
 - Mozart -  'Don Giovanni' - 15.07.06


 

 
 

 
   
    

   
 

"Feinsliebchen komm an's Fenster"

     
 

 

 


Welch schönes Zusammentreffen in Berlin !
Die 'Love Parade' führte mehr als 500.000 Menschen zu Techno tanzend durch die Straßen und in der 'Komischen Oper' lädt Don Giovanni zu Tisch.
Professor Dr. Elmar Budde klärt die Lernbegierigen vor der Vorstellung über Mozarts Verhältnis zu Lust und Tod anhand seiner Briefe und über die Tonartenverhältnisse im werk, besonders die Parallelen zu Bachs Passions-Musik, die Mozart genau kannte und sich anverwandelte.
Dass Publikum genießt die gereichten Erfrischungen und das Haus füllt sich mit höchstinteressierten Leuten, gekleidet in bunter Mischung von festlicher Abendgarderobe bis Camping-Kluft.

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Dem Dirigenten Kirill Petrenko und seinem mit großem Engagement musizierenden Orchester zuzuhören und auch zuzuschauen ist ein durchgehend spannender Genuss.
Die Bühne von Jörg Kossdorff zeigt eine heutige Plastik-Welt, blaue Wände, knallige Pop-Farben, Leuchtröhren, eifrige Drehbühne, gelegentliches Mobiliar.
Die Kostüme von Michaela Mayer-Michnay kleiden Chor als graue Business-Typen, die Solisten als heutige Mittelstandsvertreter, während Giovanni seine Abenteuer im Trainingsanzug eines Geräte-Turners, den er hin und wieder mit einem gelben Seidenmantel umweben darf oder im braven Feinripp-Unterhöschen, immer barfuß, besteht.

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Neben den klugen Artikeln im Programmheft rollt in der Regie von Peter Konwitschny eine aktionsreiche Vorstellung ab, die mehr Fragen aufwirft, als dass sie Erkenntnisse bringt. Jede Zeit löst die aufwühlende Kraft der Sexualität im Rahmen ihrer geistigen Grundströmung und heute leben wir eben in der ausklingenden Spaßgesellschaft - postmodern, beliebig, 'anything goes' - soll doch dieser Giovanni mit seinem gut trainierten Körper so viele Weiber vernaschen wie er will, dazu gibt es hip hop, rock und was sonst noch so geht.
Muss das Regie-Theater dazu Mozart bemühen ?
Nun gut, man sitzt in der Vorstellung und bewundert mehr oder weniger nur die Leistungen der Sänger.
Don Giovanni: Dietrich Henschel hat von der gütigen Natur ein berückendes Timbre geschenkt bekommen, mit perfekter Technik beherrscht er seine Stimme in allen Lagen und Gefühlsschattierungen. Man kann sich darauf freuen, ihn mal nicht  mätzchen-machend zu hören. Mit seinem Spieltalent ist er sicher die Freude eines jeden Regisseurs. Flink und mutig macht er alles, was an sportlichen Aktionen gefordert wird, aber glaubt man ihm die Attraktivität, die jede Frau dahinschmelzen lässt ?
Donna Anna: Bettina Jensen verwundert Auge und Ohr im Ensemble der Jungen und Drahtigen. Sie ist wohl eine Winterbraut. Leider wabert die Stimme und auch sonst wäre sie bei anderen Komponisten besser aufgehoben als bei Mozart.
Don Ottavio: Finnur Bjarnasson, ein Mozart-Tenor feinster, kultivierter Art, bewusst die Töne platzierend, erhielt er schon nach der ersten Arie begeisterten Applaus. Die zweite musste er durch das Rezitieren von Mozart-Briefen unterbrechen, was er meisterte, aber muss das, darf das sein?
Der Kommandant: James Moelenhoff hatte leider durch die Regie keine Gelegenheit mit seiner prächtigen Bass-Stimme aus der Totenwelt uns zum Nachdenken über die Lebensführung anzuhalten, sondern kam als ein glatzköpfiges Aufsichtsratsmitglied mit dem Schirm, der in ermordet hatte zum mickrigen Festmahl bei Giovanni.
Donna Elvira: Anne Bolstad, weißblondiert und mit Rollkoffer und Rucksack bepackt, sucht energisch nach dem entwischten Giovanni, findet zwischenzeitlich auch etwas lesbischen Trost bei Anna, die wohl auch die Nase voll hat von Kerlen, singt schön und rund und beherzt, hat alle Sympathien, weshalb man nicht versteht, das eine solch patente Frau auf den schlecht getarnten, tapsigen Leporello reinfällt.
Leporello: Jens Larsen, hat als Sachwalter des Registers der Eroberungen viel zu tun, bewundert und verabscheut seinen Boss, kann ohne ihn nicht leben und steht mit heftigen körperlichen und stimmlichen - bis zum Stöhnen und Schreien - ausgereizten Einsatz seinen Mann.
Masetto: Florian Plock, ein kerniger, hübscher Bursche mit gesundem Bass-Bariton, ein erfreuliches Mitglied der agierenden Truppe.
Zerlina: Elisabeth Starzinger, ein Goldkehlchen mit einem Timbre, dem man gerne lauscht, schön und geschmackvoll auch die kleinen Fiorituren in den Arien (so weit man sie lässt) vollführt und mutig bis zum Fastvollzug sich von Giovanni umschmeicheln lässt.
Die Chorsolisten sangen und spielten engagiert wie es dem Geist des Hauses entspricht.

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Im Publikum hatte sich viele Fragen aufgestaut, die nach der Vorstellung Dramaturg Werner Hintze, Jens Larsen und Dietrich Henschel, unterstützt von Professor Dr. Elmar Budde zu beantworten sich bemühten.
Gibt es einen Unterschied zwischen Erotik und Sex ? - Nein heute nicht mehr !
Was ist die Hölle, gibt es eine ? Nein, es gibt keine !
Wie weit kann sich eine szenische Darstellung vom Stück trennen ? Es kann, wie weit ist offen !

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Fazit: Herrlich musizierter, größtenteils schön gesungener Mozart, aber eine Inszenierung, die zwar gescheit sein mag, aber für Leute, die das Stück nicht als klassische Aufführung kennen, ungeeignet ist.

 

 

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Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem.
Neben Sachaussagen enthält diese private Homepage auch Überspitztes und Satire.
Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare herauszufordern.
          Marie-Louise Gilles

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