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Welch schönes
Zusammentreffen in Berlin !
Die 'Love Parade' führte mehr als 500.000 Menschen zu Techno tanzend
durch die Straßen und in der 'Komischen Oper' lädt Don Giovanni zu
Tisch.
Professor Dr. Elmar Budde klärt die Lernbegierigen vor der
Vorstellung über Mozarts Verhältnis zu Lust und Tod anhand seiner
Briefe und über die Tonartenverhältnisse im werk, besonders die
Parallelen zu Bachs Passions-Musik, die Mozart genau kannte und sich
anverwandelte.
Dass Publikum genießt die gereichten Erfrischungen und das Haus
füllt sich mit höchstinteressierten Leuten, gekleidet in bunter
Mischung von festlicher Abendgarderobe bis Camping-Kluft.

Dem Dirigenten
Kirill Petrenko und seinem mit großem Engagement
musizierenden Orchester zuzuhören und auch zuzuschauen ist ein
durchgehend spannender Genuss.
Die Bühne von Jörg Kossdorff zeigt eine heutige Plastik-Welt,
blaue Wände, knallige Pop-Farben, Leuchtröhren, eifrige Drehbühne,
gelegentliches Mobiliar.
Die Kostüme von Michaela Mayer-Michnay kleiden Chor als graue
Business-Typen, die Solisten als heutige Mittelstandsvertreter,
während Giovanni seine Abenteuer im Trainingsanzug eines
Geräte-Turners, den er hin und wieder mit einem gelben Seidenmantel
umweben darf oder im braven Feinripp-Unterhöschen, immer barfuß,
besteht.

Neben den klugen Artikeln im Programmheft rollt in der Regie von
Peter Konwitschny eine aktionsreiche Vorstellung ab, die mehr
Fragen aufwirft, als dass sie Erkenntnisse bringt. Jede Zeit löst die
aufwühlende Kraft der Sexualität im Rahmen ihrer geistigen
Grundströmung und heute leben wir eben in der ausklingenden
Spaßgesellschaft - postmodern, beliebig, 'anything goes' - soll doch
dieser Giovanni mit seinem gut trainierten Körper so viele Weiber
vernaschen wie er will, dazu gibt es hip hop, rock und was sonst
noch so geht.
Muss das Regie-Theater dazu Mozart bemühen ?
Nun gut, man sitzt in der Vorstellung und bewundert mehr oder
weniger nur die Leistungen der Sänger.
Don Giovanni: Dietrich Henschel hat von der gütigen Natur ein
berückendes Timbre geschenkt bekommen, mit perfekter Technik
beherrscht er seine Stimme in allen Lagen und Gefühlsschattierungen.
Man kann sich darauf freuen, ihn mal nicht mätzchen-machend zu hören.
Mit seinem Spieltalent ist er sicher die Freude eines jeden
Regisseurs. Flink und mutig macht er alles, was an sportlichen
Aktionen gefordert wird, aber glaubt man ihm die Attraktivität, die
jede Frau dahinschmelzen lässt ?
Donna Anna: Bettina Jensen verwundert Auge und Ohr im
Ensemble der Jungen und Drahtigen. Sie ist wohl eine Winterbraut.
Leider wabert die Stimme und auch sonst wäre sie bei anderen
Komponisten besser aufgehoben als bei Mozart.
Don Ottavio: Finnur Bjarnasson, ein Mozart-Tenor feinster,
kultivierter Art, bewusst die Töne platzierend, erhielt er schon
nach der ersten Arie begeisterten Applaus. Die zweite musste er
durch das Rezitieren von Mozart-Briefen unterbrechen, was er
meisterte, aber muss das, darf das sein?
Der Kommandant: James Moelenhoff hatte leider durch die Regie
keine Gelegenheit mit seiner prächtigen Bass-Stimme aus der
Totenwelt uns zum Nachdenken über die Lebensführung anzuhalten,
sondern kam als ein glatzköpfiges Aufsichtsratsmitglied mit dem
Schirm, der in ermordet hatte zum mickrigen Festmahl bei Giovanni.
Donna Elvira: Anne Bolstad, weißblondiert und mit Rollkoffer
und Rucksack bepackt, sucht energisch nach dem entwischten Giovanni,
findet zwischenzeitlich auch etwas lesbischen Trost bei Anna, die
wohl auch die Nase voll hat von Kerlen, singt schön und rund und
beherzt, hat alle Sympathien, weshalb man nicht versteht, das eine
solch patente Frau auf den schlecht getarnten, tapsigen Leporello
reinfällt.
Leporello: Jens Larsen, hat als Sachwalter des Registers der
Eroberungen viel zu tun, bewundert und verabscheut seinen Boss, kann
ohne ihn nicht leben und steht mit heftigen körperlichen und
stimmlichen - bis zum Stöhnen und Schreien - ausgereizten Einsatz
seinen Mann.
Masetto: Florian Plock, ein kerniger, hübscher Bursche mit
gesundem Bass-Bariton, ein erfreuliches Mitglied der agierenden
Truppe.
Zerlina: Elisabeth Starzinger, ein Goldkehlchen mit einem
Timbre, dem man gerne lauscht, schön und geschmackvoll auch die
kleinen Fiorituren in den Arien (so weit man sie lässt) vollführt
und mutig bis zum Fastvollzug sich von Giovanni umschmeicheln lässt.
Die Chorsolisten sangen und spielten engagiert wie es dem Geist des
Hauses entspricht.

Im
Publikum hatte sich viele Fragen aufgestaut, die nach der
Vorstellung Dramaturg Werner Hintze, Jens Larsen und Dietrich
Henschel, unterstützt von Professor Dr. Elmar Budde zu beantworten
sich bemühten.
Gibt es einen Unterschied zwischen Erotik und Sex ? - Nein heute
nicht mehr !
Was ist die Hölle, gibt es eine ? Nein, es gibt keine !
Wie weit kann sich eine szenische Darstellung vom Stück trennen ? Es
kann, wie weit ist offen !

Fazit: Herrlich
musizierter, größtenteils schön gesungener Mozart, aber eine
Inszenierung, die zwar gescheit sein mag, aber für Leute, die das
Stück nicht als klassische Aufführung kennen, ungeeignet ist.
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